LeLeTre-Programm

Mittwoch, 19.10.2016


19.00 Uhr

Warmup zum 23rd Meeting of Queer Lesbians*                        – open to all gender

Seinen Bann breche durch helles Bewusstsein
Zum autoritären Charakter der Gegenwart

Spätestens seit dem Ausbruch der jüngsten globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 lässt sich in allen westlichen Industrie- Nationen von einer Wiederkehr des Verdrängten sprechen: Prozesse der Entdemokratisierung, ein repressiver Backlash gegen Errungen- schaften der Frauen- und Queer-Bewegungen und rechte Mobili- sierung finden sich allerorts. Nationalistische, rassistische und antisemitische Ressentiments tönen lautstark auch aus der Mitte der Gesellschaft und setzen sich in Handlungspotenzial um.

Will man diese Entwicklungen und ihre Ursachen kritisch einholen, erscheint es dringlich auch danach zu fragen, warum sich Individuen gerade in ökonomischen und politischen Krisenzeiten empfänglich
zeigen für autoritäre Haltungen und Ressentimentgeladene, partikularistische Erklärungsmuster für eine komplexe gesellschaftliche Wirklichkeit. Ein historischer Versuch, diese Zusammenhänge zu erhellen, findet sich in den empirischen Studien der frühen Kritischen Theorie um Theodor W. Adorno.

Über eine Zusammenführung der historisch materialistischen Ideen im Anschluss an Karl Marx und Einsichten der Psychoanalyse Siegmund Freuds ging es den Mitgliedern des Instituts für Sozialforschung in den 1930er und 1940er Jahren um die Analyse der „subjektiven Bedingungen der objektiven Irrationalität“ (Adorno).
Über eine kritische Re-Lektüre dieser wegweisenden Studien und aktueller Analysen kann auch die Formation der gegenwärtigen Vergesellschaftung und ihr autoritäres Potenzial zwischen kapitalistischer Vergesellschaftung, autoritären Persönlichkeits- Strukturen und antisemitischem Ressentiment erhellt werden.

Constanze Stutz ist Redakteurin der outside the box – Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik und stellt im Rahmen der Vortragsreihe „women in science!“ ihre Abschlussarbeit mit dem Titel „Der neue Autoritarismus des postfordistischen Sozial- charakters – Eine gesellschaftstheoretische Rekonstruktion“ vor
und zur Diskussion. 

Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik des Sturas der Universität Leipzig und dem soziokulturellen Zentrum Frauenkultur.

Referentin:
Constanze Stutz

Frauenkultur, Eintritt: frei

Donnerstag, 20.10.2016


19.00 Uhr

Offizielle Eröffnung des 23rd Meeting of Queer Lesbians* – open to all gender

mit Sektrunde & Chips … danach:

Vom Verschwinden

Ausstellungseröffnung | Malerei von Nadine Fiedler 

Nadine Fiedler zeigt Malerei – voller emotionaler Wucht, hintergründig und atemlos. Kontrastreiche Fotografien, in denen klare Strukturen verschwimmen und zarte Gestalten auftauchen. Näh-Collagen, in denen vorhandene Bilder eine neue Bedeutung erhalten. Im Spiel mit verschiedenen Materialien und Themen
des Mensch-Seins, verschwinden Definitionen von Geschlecht, 
von Gender, Grenzen und Linien, Erwartungen und Hoffnungen. Menschen, Gesten, Dialoge und Metaphern erzählen von einer Wirklichkeit, die sich der Natur öffnet. Bäume wie Menschen. Frauen wie Männer. Kinder wie Seelen. Alle unter einem Himmel.
Verschwinden in den Wolken. Tauchen ein. Schweben. Fliegen. Fallen ... Springen ... Vom Verschwinden zum Sein. 
Alles ist möglich, was du dir vorstellen kannst ...

Nadine Fiedler lebt und arbeitet in Halle/Saale. Neben ihrem Beruf als Sozialpädagogin ist sie seit vielen Jahren als Künstlerin im Bereich Malerei, Fotografie, Collage und Buchkunst tätig. In ihren Bildern wirft sie Fragen und Thesen ins Licht ohne zu definieren oder zu labeln.Musikalische Eröffnungen: The Muschebubusur.

Frauenkultur, Eintritt: frei


Love me, Tinder – Kurzgeschichten

Lesung mit Anne Bax  

Die erfolgreiche „Kurzgeschichten-Queen“ Anne Bax erzählt vom lesbischen Liebesleben im Zeitalter von Apps, Tinder, facebook & Co. Es bieten sich viele neue Möglichkeiten an Romantik und Komik. Auch die „klassischen“ Dramen und Liebes-Höhepunkte kommen nicht aus der Mode, zum Beispiel, wie sich die Welt nach
einer Trennung anfühlt, was ältere Tanten von Sex halten und wie der erste Liebesfunke zündet. Texte, die von „Sex mit 49“ handeln – plus einige Texte, die so neu sind, dass sie es nicht mehr in Love me, Tinder geschafft haben.

„Die Geschichten sind kurz, auf den Punkt gebracht und auf die Spitze getrieben, funkelnd vor Sprachwitz und passen auf ganz viele Situationen, mit denen die moderne Lesbe im wahren Leben konfrontiert wird.“ 

Anne Bax lebt mit Frau, Stoffschwein und Lesebrille im Ruhrgebiet.

Frauenkultur, Eintritt: 4,- / 2,- Euro ermäßigt

Freitag, 21.10.2016


19.00 Uhr

Colors of feminism                                        

Vortrag & Diskussion mit Natasha A. Kelly 

Muss leider aus persönlichen Gründen der Referentin ausfallen.



21.00 Uhr

Die lange queere Filmnacht

Suffragette – Taten statt Worte
Regie: Sarah Gavron, GB 2015, 106 Min.
 

„Women's Social and Political Union“ wurde 1903 von Emmeline Pankhurst (Meryl Strep) in Großbritannien gegründet ... eine bürgerliche Frauenbewegung, die durch passiven Widerstand wie auch durch öffentlichkeitswirksame Proteste bis hin zu Hungerstreiks auf sich aufmerksam machte. Neben dem Wahlrecht kämpften sie für die allgemeine Gleichstellung der Frauen und für heute so selbstverständliche Dinge wie z. B. die Erlaubnis, in der Öffentlichkeit zu rauchen. Die sogenannten „Suffragetten“ waren     z.T. gezwungen in den Untergrund zu gehen, da England immer brutaler versuchte, ihre Arbeit zu verhindern. Immer mehr Frauen stellten fest, dass ihre friedlichen Proteste keinen Erfolg brachten. In ihrer Radikalisierung riskierten sie alles zu verlieren – ihre Arbeit, ihr Heim, ihre Kinder und ihr Leben.

Maud (Carey Mulligan) war eine dieser mutigen Frauen. Fesselnd wie ein Thriller erzählt Suffragette die spannende und inspirierende Geschichte ihres herzzerreißenden Kampfs um Würde und Selbstbestimmung.

Freeheld – Jede Liebe ist gleich
Regie: Peter Sollett, USA 2015, 103 Min.

Laurel Hester lebt seit über 20 Jahren für ihren Job als Polizeikommissarin in den USA, ein Privatleben findet bei ihr nicht statt. Dies ändert sich schlagartig, als sie die junge Mechanikerin Stacie Andree kennenlernt. Die beiden verlieben sich aller Unterschiede zum Trotz ineinander und bauen sich eine gemeinsame Zukunft auf… mit eigenem Haus und Hund… und schließlich sogar eingetragener Lebenspartnerinnenschaft.
Doch ihr Glück währt nicht lange. Laurel erhält die erschütternde Diagnose: Lungenkrebs im Endstadium. Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit. Ihr letzter Wunsch ist, dass Stacie im gemeinsamen Haus wohnen bleiben kann. Das kann sie aber nur, wenn ihr Laurels Pensionsansprüche übertragen werden.

Die zuständigen Behörden lehnen ihr Gesuch immer wieder ab. Auch innerhalb der Polizei erfährt Laurel kaum Rückhalt. Nur ihr Kollege Dane und ein exzentrische Aktivist halten zu Laurel und Stacie in ihrem Kampf um Gerechtigkeit, bis sie unerwartete Unterstützung erhalten…)

Frauenkultur, Eintritt: frei 

Samstag, 22.10.2016

 

14 - 18 Uhr

Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

                              Workshop zum Kennenlernen mit Paula J. Herwig, Leipzig

In unserer Gesellschaft sind Diskriminierungen an der
Tagesordnung. Menschen werden bewertet und abgewertet, sortiert und aussortiert. All das passiert strukturell und ist zugleich in unseren Köpfen fest verankert. Die Gewaltfreie Kommunikation schenkt uns einen Weg raus aus den gewaltvollen Mustern. Sie ist ein Konzept, das uns einen empathischen Zugang dahin öffnet,
warum Menschen gewalttätige Bewertungen gebrauchen – und ist zugleich eine Haltung, die es uns ermöglicht, hinter all den trennenden Bewertungen die Menschlichkeit zu entdecken, die uns alle verbindet. Dabei heißt gewaltfrei zuallererst: gewaltfrei gegenüber uns selbst. Die langsame Abkehr von Schuldgefühlen,
Scham und Selbstverurteilung und die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse stehen im Vordergrund. Aufbauend auf dieser Selbstfürsorge wird eine empathische Haltung gegenüber anderen Menschen trainiert. 

Der Workshop bietet in kleinen, einfachen Übungen eine Kostprobe der Haltung und Methodik der GFK. Um Anmeldung bis zum 20.10.2016 wird gebeten, da nur  eine begrenzte Teilnehmer*innenzahl möglich ist.

Paula J. Herwig, Mediatorin & Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation. www.paulaherwig.de

Frauenkultur, Eintritt: 18,- / 12,- Euro ermäßigt


18.00 Uhr

Du stellst unsere Füße auf weiten Raum   

Gottesdienst zum LeLeTre 2016

Wir erkunden gemeinsam den weiten Raum, den Gott, die Lebendige, uns öffnet. Die befreiende, göttliche Kraft im Gottesdienst mit anderen Lesben und Frauen* suchen, feiern und erfahren – dazu lädt die Gruppe Lesben und Kirche alle Frauen* ein. 

Wir freuen uns auf Euch!                                                           

Taufkapelle der Peterskirche, Schletterstraße Eintritt: frei

22:30 Uhr

Nightflight

Alle Menschen...Welcome zur ultimativen Party 
des LeLeTre 2016! 

… die ultimative Party! LGBTIQ – Welcome! 
Berauschende Sounds in einer nicht enden wollenden Nacht. Tanzen und Feiern mit DJane Rote Brause – Rock / Pop / Soul / Electro / Balkan/Arabic und DJane Schlotte – Antifaltenrock. Die Sozialisations-Mucke einer 41-jährigen ... Da geht´s querbeet von den Blues Brothers über Queen und Gloria Gaynor zu Adele und ...

Frauenkultur, Eintritt für alle Neuankommenden: 3 €

Sonntag, 23.10.2016

11.00 Uhr

Der Mitbring- & Mitmach-Sonntagsbrunch

Am Sonntag wird es wieder „kulinarisch“. – Alle sind eingeladen zum traditionellen Mitmach- und Mitbring-Brunch: zum Gaumenkitzel, zum Genießen von Gebratenem, Gebackenem oder Gerührtem aus den Töpfen und Backformen anderer. Und das ist auch klar: in
Gemeinschaft schmeckt es oft viel besser.

Die wenigen, die nicht backen, kochen oder braten können, nehmen für einen kleinen Unkostenbeitrag teil. In diesem Jahr gehen Preise an die beliebteste herzhafte Kreation und die verführerischste Süßspeise! Also beschwingt ran an Kellen und Rührbesen – und dann viel Spaß beim genussvollen Schlemmen!
Für alle Kids gibt es wieder einen Spiele-Parcours!

Frauenkultur, Eintritt: Naturalien (siehe Text) oder 4 €

13.30 Uhr

Fünf Tage in New York                                     

Der besondere Film: Gay Pride am Hudson  

Dokumentarfilm, Regie: Oliver Bätz, André Schäfer,
USA/D 2014, 55 Min.

Die New Yorker Polizei überfiel am 28. Juni 1969 die Schwulen- und Transsexuellen-Kneipe „Stonewall Inn“ in der Christopher Street in Greenwich Village – und zur Überraschung der Polizei wehrten sich die dort feiernden Gäste zum ersten Mal und schlugen zurück.
Damals waren Personenkontrollen üblich, die Namen wurden zum Teil veröffentlicht, um die Betroffenen zu diffamieren; es gab Anzeigen wegen „anstößigen Verhaltens“. Doch seit diesem Tag veränderte sich das Bewusstsein der Bevölkerung. Die Homosexuellen waren plötzlich Opfer, die sich wehrten und Forderungen stellten. Fünf Tage und Nächte dauerte der Stonewall-
Aufstand damals. Zum Gedenken an diese Kämpfe wird rund um die Christopher Street – und mittlerweile auch in den Stadtteilen Chelsea, Meatpacking und West Village – der New York Pride gefeiert.

Frauenkultur, Eintritt: frei

 

16.00 Uhr

Gib auch uns ein Recht auf Leben!

Radclyffe Halls „Quell der Einsamkeit.
Kritische Lesung und Diskussion
                             

„Quell der Einsamkeit“, ein Klassiker lesbischer Literatur, wurde kurz nach der Veröffentlichung 1928 gemäß dem britischen „Obszönitätsparagraphen“ verboten: Zu eindringlich hatte Margaret Radclyffe Hall die Nöte und Sehnsüchte ihrer Protagonistin Stephen Gordon geschildert, die aufgrund ihrer „invertierten“ Art zu lieben
zu einem Leben in Einsamkeit verurteilt ist. Dennoch wurde Stephen Gordon – eine Butch, wie sie im Buche steht – rasch zu einem Vorbild lesbischer Lebensform. 
Radclyffe Halls Plädoyer für Toleranz fußt auf der zeitgenössischen sexualwissenschaftlichen Annahme, wonach Lesben und Schwule eine Laune der Natur seien, ein drittes Geschlecht, dem Anerkennung nicht länger verwehrt werden dürfe. Diese Legitimierung homosexueller Liebe ähnelt überraschend den „Born this way“– Bannern auf heutigen CSDs. Ist der Kampf um Anerkennung nicht anders zu rechtfertigen als durch Biologismen alter und neuer Prägung, die die Frage nach den gesellschaftlichen Bedingungen von Begehren für überflüssig erklären? 

Die Lesung bietet einen Eindruck, welche Vorstellungen von lesbischer Liebe und Sexualität in „Quell der Einsamkeit“ vermittelt werden, und geht der Frage nach, wie viel politischer Sprengstoff heute noch in diesem Roman und seinen Forderungen steckt – vor allem aber möchte sie einige Passagen dieses bewegenden literarischen Werks zu Gehör bringen.  

Feministische Bibliothek MONAliesA, Eintritt: frei

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